Pricing-Newsletter No. 72 (2023): Vom Pay Per Use zum Pay Per Wash: ein innovatives Pricing-Modell für den B2B-Bereich

In verschiedenen Branchen tauchen auch im B2B-Bereich innovative Pricing-Modelle auf. Heidelberger Druck etwa bietet den Kunden ein Pay Per Use Modell an. Das Unternehmen Winterhalter als Hersteller von Spülmaschinen für die Gastronomie nennt sein Pay Per Use Modell „Pay per Wash“. Das Interview mit dem CEO Ralph Winterhalter bietet spannende Einblicke in die Transformation eines Geschäftsmodells.

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Pricing-Studie 2023: PFH Private Hochschule Göttingen legt neue empirische Untersuchung von Pricing-Prozessen in Unternehmen vor

Die PFH Private Hochschule Göttingen hat jetzt die Pricing-Studie 2023 veröffentlicht. In dieser empirischen Untersuchung werden Pricing-Prozesse von Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größe betrachtet. Nach vier Pricing-Studien der PFH, veröffentlicht in den Jahren 2009, 2012, 2015 und 2018, liefert die Pricing-Studie 2023 aktuelle Analysen. Die Ergebnisse sind zudem beeinflusst von den ungewöhnlichen Herausforderungen für die Unternehmen, etwa Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg mit resultierenden Lieferengpässen und die Erfahrung ungewohnt hoher Inflationsraten. Mit den veränderten Rahmenbedingungen stand das Pricing der Unternehmen vor völlig neuen Anforderungen.

Gegenstand der empirischen Untersuchung von Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof und Lukas Breustädt waren das Zustandekommen der Preise, die unternehmensinternen Einstellungen zum Pricing, die Anwendung von Pricing-Werkzeugen, die erfolgreiche Implementierung und viele weitere Themen. „Mit der Studie möchten wir auch Potentiale in den einzelnen Preisgestaltungsprozessen verdeutlichen und aufzeigen, welche bemerkenswerten Herangehensweisen hinsichtlich des Pricings auch andere Unternehmen anwenden können“, sagt Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof.

Ein Ergebnis vorab: die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung 2023 bestätigen eine Schlussfolgerung, die bereits in den vorangegangenen Pricing-Studien getroffen wurde: nach wie vor unterschätzen viele Unternehmen die Bedeutung eines strategischen Pricing als stärkster Gewinntreiber.

Links

Weitere Studien:
https://www.unicconsult.com/publikationen/forschungsberichte/

 

Die Sinnhaftigkeit von Preiskontrollen

Mit ihrer Kritik an übereilten Zinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung und ihrer Sympathie für strategisch eingesetzte, gezielte Preiskontrollen brachte sie einige Medien und Ökonomen gegen sich auf. Isabella M. Weber, Assistenzprofessorin für Wirtschaftswissenschaften an der University of Massachusetts Amherst, beschreibt in einem Gastbeitrag im Handelsblatt vom 05. Mai 2023, was sie erlebte, als sie Ihre Meinung 2021 im „Guardian“ kundtat: deutliche Widerworte selbst liberaler Ökonomen; Studenten an der Universität von Chicago hätten eine Klausur mit der Frage erhalten, was ein „echter Ökonom“ zu Preiskontrollen sagen würde; für ihre Kritiker sei das Recht eines Unternehmens, jeden Preis festzusetzen, den der Markt hergibt, unantastbar.

Ihren Ausführungen zufolge hätten die Regierungen in ganz Europa bereits bestimmte Formen der Preiskontrolle beschlossen. In einer Welt mit sich überlagernden Notlagen – sie nennt Klimawandel, Pandemie, geopolitische Spannungen – seien weitere Schocks zu erwarten, auf die die politischen Entscheidungsträger vorbereitet sein müssten. Laut Weber gelte es zu reagieren, bevor Preisschocks erneut große soziale und wirtschaftliche Schäden hinterlassen.

Empfehlung:
Den interessanten Gastbeitrag der Wirtschaftswissenschaftlerin können Sie über den folgenden Link vollständig auf handelsblatt.de lesen:
https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-warum-preiskontrollen-sinnvoll-sein-koennen-/29122874.html

Pricing-Spezialist Prof. Hans-Christian Riekhof meint dazu: „Preiskontrollen passen nicht so recht zu einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Politik. Wenn dann über die Sinnhaftigkeit von Preiskontrollen nachgedacht wird, weil in manchen Märkten überraschend hohe Gewinne erzielt werden, dann darf man auf die Begründung für Preiskontrollen sehr gespannt sein.“

Was seiner Meinung nach im Handelsblatt-Beitrag von Isabella Weber nicht auftaucht, sind Begriffe wie Oligopol, Kartellamt oder Kartellrecht sowie auch Marktversagen oder auch die Internalisierung externer Effekte. „Hier bedarf es weitergehender Erklärungen, warum aus der Sicht der ökonomischen Theorie ‚unangemessen‘ hohe Gewinne entstehen und welche Institutionen hier vielleicht nicht wirksam waren. Gerade ökologische Fragestellungen wie etwa die Preisentwicklung für fossile und nicht-fossile Brennstoffe bedürfen einer weitergehenden ökonomischen Analyse“, so Riekhof.

Streit um Preisgestaltung: Edeka und der Lieferboykott von Markenherstellern

Deutschlands größter Einzelhändler Edeka will im Kampf um die Preisgestaltung von Markenherstellern standhaft bleiben. Aktuell seien es 17 Konzerne, die Edeka nicht beliefern, sagte Vorstandschef Markus Mosa. Laut einer aktuellen Meldung des Nachrichtenkanals ntv vom 26. April 2023 heißt es, die „Gier“ der internationalen Lebensmittelkonzerne lasse noch nicht nach. Zu den Lieferanten des aus 11.000 Geschäften bestehenden Edeka-Verbunds zählen Konzerne wie Procter & Gamble, Mars und Pepsi sowie Teile von Henkel, Schwartau und Unilever.

Die Preisgestaltung der Marken sei noch weniger nachvollziehbar als im vergangenen Jahr, seien doch etliche Rohstoffe etwa für Waschmittel, aber auch Weizen, Öle und Fette wieder billiger geworden, so Mosa. Die Markenartikelindustrie maximiere ihre Ergebnisse und verzichte lieber auf Belieferung. Hintergrund ist ein seit Monaten schwelender Streit, den sich Einzelhändler und führende Markenhersteller um die Preise liefern.

Es geht um Machtfragen: Wer kann sich bei der Preisstrategie durchsetzen?

„Eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Handel sieht anders aus“, sagt Pricing-Experte Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof. „Wenn ein Handelskonzern meldet, dass es einen Lieferboykott von 17 namhaften Markenartikel-Herstellern gibt, dann ist das ein Phänomen, das uns nicht alle Tage begegnet – und das die Verbraucher angesichts der Lücken im Regal auch registrieren.“

Offensichtlich fühle sich eine der Parteien übervorteilt und könne sich mit den angebotenen Preisen bzw. Konditionen nicht einverstanden erklären – es komme zu keinem Verhandlungsergebnis. Riekhof: „In der Verhandlungsführung nennt man das ‚BATNA‘ (Best Alternative to No Agreement). Es geht um Machtfragen: wer sitzt am längeren Hebel und kann sich letztlich mit seinen Vorstellungen durchsetzen?“

Wie sehen die Preisstrategien für Eigenmarken aus?

Einzelhändler wie Edeka hätten schon vor Jahren begonnen, sich von den Markenartikel-Herstellern unabhängiger zu machen, indem sie Eigenmarken aufbauen. Allerdings überwiegend in den unteren Preislagen, so Riekhof weiter. Er empfiehlt den Einzelhändlern, die Preisstrategie für ihre Eigenmarken dringend zu überprüfen.

„Aus unseren Pricing-Projekten für den Handel wissen wir, dass der Preisabstand zwischen Handelsmarke und Herstellermarke aus Kundensicht deutlich verringert werden kann. Hier liegen unausgeschöpfte Ertragspotentiale für den Handel. Gut, dass die Hersteller den Handel zwingen, ihre Preisarchitektur zu überprüfen.“

(Lesen Sie hierzu auch Riekhof on Pricing zum Thema Preisarchitektur).

Links

Vollständigen Artikel lesen:
https://amp.n-tv.de/wirtschaft/Edeka-meldet-Lieferboykott-von-17-Herstellern-article24079771.html

Foto:
Tara Clark/pexels.de

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