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Ratenkredit

Ratenkredit: Sind Negativzinsen für Kreditportale sinnvoll?

Derzeit liefern sich Unternehmen einen Wettlauf um den günstigsten Ratenkredit: Check24 und Smava unterbieten sich gegenseitig und sind inzwischen bei Zinssätzen von minus fünf Prozent angelangt. Kunden, die einen Kredit über 1.000 € ausbezahlt bekommen, müssen also nur 950 € zurückzahlen.

Dazu Pricing-Experte Professor Hans-Christian Riekhof: „Mich würde vor allem interessieren, wie viele dieser Kredite tatsächlich in Anspruch genommen werden. Sie werden meist nur an Kunden mit sehr guter Bonität vergeben. Und viele kreditfinanzierte Anschaffungen, sei es für die Wohnungseinrichtung oder das gebrauchte Auto, liegen deutlich über dem Betrag von 1.000 €. Insofern dürfte das nur eine sehr begrenzte tatsächliche Bedeutung haben.“

Ratenkredit mit Zinsatz von minus 5 %: Was für eine Logik steckt dahinter?

Es stelle sich die Frage, was für eine Logik hinter diesen Angeboten stecke. „Warum subventionieren die Anbieter den Verbraucherkredit?“, fragt Prof. Riekhof und liefert seine Einschätzung gleich hinterher: „Es geht einzig und allein darum, in den Medien Aufmerksamkeit zu erzielen. Das Handelsblatt berichtete kürzlich darüber auf einer ganzen Seite – einfacher kann man kostenlose Werbung für das eigene Unternehmen gar nicht ereichen. Wie lange dieser Effekt allerdings anhält, steht auf einem anderen Blatt.“

 

Preise für Klimaschutz

Die richtigen Preise für wirksamen Klimaschutz setzen

In seiner Ausgabe vom 19. Februar 2018 berichtet dass Handelsblatt darüber, dass Deutschlands größte Unternehmen sich dafür einsetzen, dass der CO2-Ausstoß einem besseren und umfassenderen Preismechanismus unterworfen werden sollte.

Pricing-Experte Prof. Hans-Christian-Riekhof sieht darin einen denkwürdigen Vorstoß. „Eigentlich wäre zu erwarten, dass von staatlicher Seite Vorschläge gemacht würden, wie Emissionen richtig besteuert oder bepreist werden. Das setzt aber voraus, dass die Behörden sich mit der Schaffung wirksamer Emissionsmärkte auseinandersetzen. Und in solche Märkte wären übrigens auch die Landwirtschaft sowie der Verkehrs– und der Wärmesektor einzubeziehen“, sagt Riekhof.

Die Bestimmung angemesser Preise liegt bei den Märkten

„Es gehört zu den volkswirtschaftlichen Binsenweisheiten, dass Märkte ein ziemlich effizienter Mechanismus zur Bestimmung angemessener Preise sind. Über die Funktionsfähigkeit dieser Märkte zu wachen, ist eher eine Aufgabe von Behörden. Wenn jetzt die Marktteilnehmer die Schaffung von effizienteren Märkten fordern, sollte dieser Ruf nicht ungehört verhallen.“

Pricing-Experte Prof. Riekhof über individualisierte Tarife in der Auto-Versicherung

Individualisiertes Pricing steht auf der Agenda vieler Unternehmen, führt es theoretisch doch dazu, die Zahlungsbereitschaft der Kunden optimal auszuschöpfen. In der Praxis ist das allerdings gar nicht so einfach umsetzbar. Umso bemerkenswerter sind die Versuche von Versicherern, mit Telematik-Tarifen (siehe dazu den Bericht im Handelsblatt von Christian Schnell am 30.1.18) das persönliche Fahrverhalten und die damit einhergehenden Versicherungsrisiken individuell abzubilden. Mit  diesen Tarifen messen die Versicherer den Fahrstil ihrer Kunden – wie schnell sie fahren, beschleunigen und bremsen. Bis zu 40 Prozent Rabatt sollen demnach möglich sein, wenn man bereit ist, seinen Fahrstil digital erfassen zu lassen.

Die Zukunft des Pricing?

Müssen wir damit rechnen, dass Preise in Zukunft generell weiter individualisiert werden? „Ja und nein“, meint Pricing-Experte Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof von UNICconsult Strategieentwicklung. „Die zunehmende digitale Verfügbarkeit relevanter Daten vereinfacht es einerseits, auf der Basis von Algorithmen den ‚optimalen‘ Preis zu errechnen. Die andere Seite der Medaille ist die Akzeptanz dieser Art der Preisfindung beim Kunden.“ Wer das vielleicht sogar unbegründete Gefühl habe, „über den Tisch gezogen“ zu werden, ziehe Anbieter vor, die einfache und transparente Preise versprechen. „Warten wir es ab, wie der Verbraucher reagieren wird. Manche Innovationen brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich im Markt wirklich durchsetzen“, resümiert Prof. Riekhof.

Zum Artikel im Handelsblatt

 

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