Beiträge

Die Sichtbarkeit als Währung

Marie-Christine Ostermann plädiert im Handelsblatt vom 9.7.2021 in einem Gastbeitrag für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der (medialen) Öffentlichkeit: eine sehr spannende Perspektive in einer lange währenden Debatte.

Sichtbarkeit ist in einer Ökonomie der Aufmerksamkeit, wie sie etwa Georg Franck in seinem gleichnamigen Buch beschreibt, eine wichtige Währung, die allerdings noch selten so klar thematisiert wird. Marie-Christine Ostermann betrachtet die psychologische Dimension des Themas (wer hat warum zu viele Selbstzweifel und schreckt vor zu viel Aufmerksamkeit zurück, wer scheut den rüden Ton auf manchen Plattformen), und sie benennt auch mögliche „Kosten“ einer hohen persönlichen Sichtbarkeit.

Und sie betrachtet die Unterschiede in der Aufmerksamkeit, die Frauen und Männer in den klassischen Medien erhalten. Was aber unbedingt zu ergänzen wäre, ist die Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, nach der Frauen und Männer streben und die ihre dort geteilten Beiträge erhalten. Hier gelten andere Gesetzmäßigkeiten für das Erreichen von Aufmerksamkeit. Keine Redaktion und kein Kurator haben eine mehr oder weniger heimliche Agenda, wenn es um Likes und Follower geht – ein Thema, das empirischer Forschung sehr gut zugänglich wäre.

Links:

Gastbeitrag im Handelsblatt (Website):
https://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-ein-plaedoyer-fuer-die-sichtbarkeit-von-frauen/27399210.html

Gastbeitrag im Handelsblatt (pdf):
Frauen müssen sichtbarer werden

Foto/Screenshot: Handelsblatt

Digitale Transformation

VW: Digitale Transformation ist die große Herausforderung

Die Autobranche steht vor einem Umbruch, wie sie ihn in den zurückliegenden 100 Jahren noch nicht erlebt hat. Die Elektromobilität zwingt die Autoindustrie zu Veränderungen. Vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung. Zum Thema Digitale Transformation in der Autobranche führte das Handelsblatt kürzlich im Rahmen der Handelsblatt Innovation Week ein Interview mit VW-Vorstandschef Herbert Diess.

Die Transformation zur E-Mobilität, die sich in den nächsten rund 15 Jahren enorm bemerkbar machen werde, sei für ihn dabei das eigentlich weniger bedeutende Thema. Diese Technik sei beherrschbar, man könne sie bei VW händeln, erklärte Diess im Interview. Die größere Herausforderung bestehe für ihn in der damit verbundenen Digitalisierung.

In vier Jahren will VW 60 Prozent der Software selbst entwickeln

Das Thema Datenverarbeitung und Software spiele bei den eigenen Prozessen eine komplexe Rolle, wenn sich Autos immer stärker zu einem „persönlichen Device“ entwickelten. Heute beziehen die Autohersteller die Software für ihre Fahrzeuge zum überwiegenden Teil von Zulieferern, erklärt Diess. Volkswagen beispielsweise komme aktuell auf einen Eigenanteil in der Softwareentwicklung von etwa zehn Prozent. Er geht aber davon aus, dass schon in 4 Jahren VW 60 Prozent der Software im Auto selbst erstellen wird.

Digitale Transformation: Mit Künstlicher Intelligenz zu autonomem Fahren

Ein ganz zentrale Rolle, so prognostiziert der Konzernschef, werde künftig das autonome Fahren einnehmen. Dies werde sich durchsetzen und ab den 2030er-Jahren als „neues Komfort-Element“ aus keinem Auto mehr wegzudenken sein werde. Die Fortschritte bei der Künstlichen Intelligenz werden die Rechenkapazitäten derart verbessern, dass die benötigten großen Datenmengen aus Bilderkennung und -verabeitung genutzt werden könnten, sagt Diess. Bilderkennung, die das menschliche Auge ersetzt, mache autonomes Fahren erst möglich. VW werde daher u.a. auch vor der Aufgabe stehen, eigene Computerchips zu entwickeln.

Einen interessanten Einblick in das Thema Digitale Transformation mit dem Fokus auf die von den Autoherstellern vorangetriebene Konnektivität der Fahrzeuge bietet die Connected-Car-Services-Studie, die Prof. Hans-Christian Riekhof und Marc Scholz für die Private Hochschule Göttingen PFH im Frühjahr 2020 durchführten.

Studie „Customer Insights: Connected Car Services in Deutschland“ lesen (pdf):
https://www.unicconsult.com/wp-content/uploads/2020/07/PFH-Studie-Connected-Car-Services-Riekhof-Scholz-2020.pdf

Das Foto zeigt die 2017 vorgestellte VW-Konzept-Studie SEDRIC – kurz für „Self Driving Car“.
Foto: Volkswagen AG