PRICING NEWS
Strompreise: Verstehen die Grünen mehr vom Pricing als CDU und SPD zusammen?
von Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof
Es war eine kleine und medial eher wenig beachtete Meldung: die Partei der Grünen hat auf einem kleinen Parteitag Ende Juni beschlossen, dass sich Deutschland vom Konzept eines bundesweit einheitlichen Strompreises verabschieden sollte. Man hält regionale Preisdifferenzierungen des Strompreises und damit regionale Preissignale für den besseren Ansatz. Ein einheitlicher Strompreis an der Strombörse würde damit der Vergangenheit angehören – ein sog. „netzscharfer“ Zuschnitt wäre das Ziel.
Das Energienetz: Sollten die Strompreise in Deutschland überall gleich sein?
Quelle: © UCS
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Aus Sicht von Pricing-Experten ist das vollkommen nachvollziehbar. Wer meine Pricing-Workshops besucht hat, der weiß, dass mehr Preise grundsätzlich besser sind als weniger Preise. Hier noch mal die erklärende Grafik für diejenigen, die in den Grundlagen des Pricing nicht so sattelfest sind.
Das Ertragspotential ist größer, wenn durch viele Preise ein möglichst großer Flächenanteil unterhalb der Preis-Absatz-Kurve erschlossen werden kann.
Quelle: © UCS
Natürlich müssen Organisationen im zweiten Schritt lernen, mit der Komplexität umzugehen. Dabei hilft ein inkrementelles Vorgehen: das Ausprobieren und Experimentieren mit derartigen Regelungen sollte viel mehr Zuspruch finden (siehe meinen Pricing-Newsletter No. 54 zur regionalen Preisdifferenzierung und den Pricing-Newsletter No. 100 zum Experimentieren im Pricing).
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Womit man andererseits auch rechnen muss: in jeder Partei (und auch bei den Grünen) gibt es wichtige Amtsträger, denen die kurzfristigen Interessen ihrer Klientel wichtiger sind als die langfristigen positiven Wirkungen institutioneller Regelungen für unsere Gesellschaft.
So protestierten Ministerpräsident Cem Özdemir und Ministerin Mona Neubaur umgehend gegen den Beschluss der Grünen zur regionalen Preisdifferenzierung. Sie rechnen damit, dass die Strompreise in ihren Regionen steigen würden. Und dann zählen gesamtwirtschaftliche Lenkungswirkungen weniger als regionale Interessen.
Es wäre wünschenswert, wenn die Lenkungswirkungen von Pricing-Konzepten mehr mediale Aufmerksamkeit erhielten.