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Szenarien

Vier Szenarien für die Post-Corona-Zeit

Mit einer großen Serie hatte 2019 das Anlegermagazin „Effecten-Spiegel“ sogenannte Megatrends thematisiert. Doch was ist nach der Coronapandemie von diesen tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen noch übrig? In seiner aktuellen Ausgabe verweist Autorin und Vorstandsmitglied Susanne Schäffer auf eine interessante Analyse, die Wissenschaftler des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main vor folgender Frage erstellt haben: Wie leben und wirtschaften wir nach der Pandemie? In seinem aktuellen White Paper beschreibt das Institut vier mögliche Szenarien, wie die Corona-Krise die Welt verändern
kann – in gesellschaftlicher und ökonomischer Hinsicht.

Zukunftsängste haben Konjunktur

Die Pandemie sorgt für viele Fragen. Niemand weiß genau, wohin die Reise geht und wie die Zukunft danach aussieht. Eines aber ist klar: Nach der Corona-Krise ist nichts mehr wie es einmal war. Jedoch, sagen die Wissenschaftler, lassen sich mit den Methoden und Werkzeugen der Trend- und Zukunftsforschung die möglichen Folgen der Pandemie einschätzen. Anhand von vier Szenarien beschreibt das Zukunftsinstitut, wie unsere Zukunft nach der Pandemie mittelfristig aussehen könnte. Diese seien die totale Isolation, der System-Crash, Neo-Tribes und die Adaption.

Szenarien helfen, die Zukunft zu verstehen

In der „totalen Isolation“, formuliert das Institut, sei der Shutdown zur Normalität geworden. Das Scannen von Handgelenk-Chips beim Betreten von U-Bahnen und ein Austausch von Gesundheitsdaten vor dem ersten Date sind ebenso normal wie langwierige Visumverfahren bei Auslandsreisen. Die Grundversorgung werde durch Handelsabkommen einzelner Staaten gewährleistet – nicht mehr.

Im zweiten Szenario, dem „System-Crash“, komme die Welt aus dem Taumeln nicht mehr heraus. Nationalistische Interessen statt Globalisierung, jeder ist sich selbst der Nächste. Drastische Maßnahmen selbst bei kleinsten Verbreitungen seien die Folge. An internationale Zusammenarbeit glaube niemand mehr. Die Welt wanke nervös in die Zukunft.

Sind die negativen Post-Corona-Szenarien wahrscheinlich?

Im Szenario „Neo-Tribes“ dagegen habe sich die globalisierte Gesellschaft wieder stärker zurück zu lokalen Strukturen entwickelt. Regionale Erzeugnisse sind Trumpf, flankiert von einer Rückbesinnung auf Familie, Haus und Hof. Nachhaltigkeit und Wir-Kultur, lokal statt global gedacht.

Im Szenario „Adaption“ geht die Welt gestärkt aus der Krise hervor. Wir haben gelernt, uns besser anzupassen und flexibler mit Veränderungen umzugehen. Womit wir nach Einschätzung von Professor Hans-Christian Riekhof rechnen sollten: die Leistungsfähigkeit von Gesundheitssystemen, das globale Tracking von Epidemie-Verläufen, das sehr viel schnellere internationale Teilen valider Daten zu Epidemien, das unabhängige Benchmarking nationaler Gesundheitsstrategien sind Veränderungen, die wahrscheinlich sind und die unsere Gesellschaft stärken.

Die Szenarien in wenigen Jahren mit der Wirklichkeit abgleichen

Professor Riekhof hält dieses Modell möglicher Szenarien insofern für sehr hilfreich, als es die vorhandenen gesellschaftlichen und politischen Strömungen anhand der Dimensionen optimistisch vs. pessimistisch sowie global/vernetzt vs. lokal/isoliert recht gut zusammenführt und interpretiert. „Sogar Staatschefs lassen sich in ihen Grundorientierungen in dieses Raster einordnen. Die sich aufdrängende Kernfrage aber lautet: welches Szenario ist am wahrscheinlichsten? Wir sollten in wenigen Jahren einen nüchternen Blick zurück vornehmen.“

Anti-Fragilität: In Krisen entstehen neue Stärken

Wenn man Bücher wie Hans Roslings Factfulness oder die Werke von Gregg Easterbrook gelesen hat, dann falle es schwer, die pessimistische Perspektive einzunehmen. Wenn man die Wohlstandseffekte der Globalisierung mit Abstand bewerte, dann ist eine Welt ohne globale Vernetzung schlicht nicht mehr vorstellbar, sagt Riekhof. Er verweist auf Nicholas Taleb, der damit vollkommen richtig liege, dass Systeme (und Gesellschaften) anti-fragiler und damit resilienter werden, wenn sie durch Krisen wie Corona erschüttert werden. „Das Adaptions-Szenario scheint mir das einzig wahrscheinliche zu sein – auch wenn sich die anderen Szenarien in den Medien vielleicht sogar besser vermarkten lassen.“

Die Matrix für die vier Szenarien

Grafik/Matrix: Zukunftsinstitut

Quellen

Effecten-Spiegel Nr. 19, 07.05.2020, Seite 8

Zukunftsinstitut (mit Details zu dem Thema und zu den Analysen):

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/wirtschaft-nach-corona-wochen-der-weichenstellung/
https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/der-corona-effekt-4-zukunftsszenarien/

Foto: Martin Sanchez/Unsplash

unfaire preise amazon

Wie Amazon in der Corona-Krise gegen unfaire Preise vorgeht

„Die Leser unseres Pricing-Newsletters wissen, was unfaire Preise sind (siehe Newsletter No. 23 – Unfaire Preise): sie gehen zu Lasten der Kundenbeziehung. Genau das scheint gegenwärtig auch die Motivation von Amazon zu sein. Der Online-Handelsriese hat fast 4.000 Händler von ihrer Plattform ausgeschlosseen, weil sie in der Corona-Krise aus Amazon-Sicht unverhältnismässig hohe und damit unfaire Preise aufrufen“, sagt Pricing-Experte Prof. Hans-Christian Riekhof. „Was Amazon leider jedoch nicht preisgibt, sind die konkreten Kriterien, die zum Ausschluss führen“, moniert Riekhof.

Auf der eigenen Homepage hat Amazon mitgeteilt, dass der Konzern Tausende von Verkäuferkonten wegen Preistreiberei während der Coronavirus-Pandemie gesperrt hat. Der Betreiber des größten US-Online-Marktplatzes erklärte, er habe weit über eine halbe Million Angebote eingeholt und mehr als 3.900 Verkaufskonten in den USA wegen Verstoßes gegen seine faire Preispolitik gesperrt. Dabei sei engagiertes Team sei eingesetzt worden, um „unfair bepreiste“ Produkte, die stark nachgefragt werden, wie Schutzmasken und Handdesinfektionsmittel, zu identifizieren und zu untersuchen.

Das Online-Medium Bloomberg zitiert ein Amazon-Statement, das am Montag abgegeben wurde: „Wir tauschen auch proaktiv Informationen mit den Generalstaatsanwälten und den Bundesbehörden über Verkäufer aus, von denen wir vermuten, dass sie bei Produkten, die mit der COVID-19-Krise in Verbindung stehen, einen ungeheuren Preisraub betrieben haben.“

Seitdem der Ausbruch des Coronavirus eskaliert ist, gab es einen Ansturm auf u.a. Handdesinfektionsmittel, Toilettenpapier, Papierwischtücher, Fleisch und Dosensuppen. Einige Leute haben versucht, Reinigungsprodukte und anderes Zubehör zu überhöhten Preisen bei Amazon, EBay Inc. und anderen Websites zu verkaufen.

Die Originalmeldung bei Amazon / company news:
https://blog.aboutamazon.com/company-news/price-gouging-has-no-place-in-our-stores?tag=amazon-sso-21?tag=amazon-sso-21?tag=amazon-sso-21

Die Meldung bei Bloomberg:
https://www.bloomberg.com/news/articles/2020-03-23/amazon-suspends-almost-4-000-seller-accounts-over-price-gouging

Foto: Amazon Homepage

wucherpreise

Corona-Virus, Wucherpreise und Amazon

Darf man aus der Angst vor der Corona-Seuche hemmungslos Profit schlagen? In den USA haben Onlinehändler jedenfalls die Preise für die derzeit stark gefragten Atemschutz-Masken massiv erhöht. Laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins Spiegel straft Amazon derzeit allzu dreiste Händler ab und verbannt sie gar von seiner Online-Plattform. Der Konzern begründet dies mit dem Verstoß gegen Preisrichtlinien.

Pricing-Experte Prof. Hans-Christian Riekhof verweist hier auf einen elementaren Aspekt: „Wer unseren Pricing-Newsletter regelmäßig liest, der kennt das Konzept guter und schlechter Gewinne: schlechte Gewinne sind solche, die auf Kosten der Kundenbeziehung gehen. Eine eigentlich sehr sinnvolle und einleuchtende Definition, aber sie kommt in dieser Form in nicht gerade vielen Unternehmen zum Einsatz.“

Anders sei da interessanterweise Amazon mit seinem Vorgehen gegen solche Händler auf seiner Plattform, die angesichts der Corona-Krise die Preise für die Schutz-Masken vervielfacht haben, teilweise um das vier- bis fünffache des regulären Preises. „Es scheint, dass man hier schlechte Gewinne befürchtet. Immerhin sind es in diesem Fall nicht die Amazon-Gewinne, auf die verzichtet werden soll, sondern die Deckungsbeiträge der Händler auf der Amazon-Plattform“, so Riekhof.

Nach Angaben des US-Magazins „Wired“, auf das sich der Spiegel-Bericht bezieht, hat der Onlinehändler mehrere Verkäufer abgemahnt und einige überteuerte Angebote von seiner Plattform gelöscht.

Lesen Sie hier die US-Originalmeldung, auf die sich der Spiegel bezieht:
https://www.wired.com/story/covid-19-amazon-curb-face-mask-price-gouging/

Foto: Sunyu Kim/Pexels

Limeade 01

Limeade: Wie erreiche ich alle 50.000 Mitarbeiter eines Konzerns?

Limeade
Markus von Aschoff, Managing Director Limeade Europe

Am 6.4. 2019 hielt Markus von Aschoff (Foto), Managing Director Limeade Europe, auf Einladung von Professor Hans- Christian Riekhof an der PFH Private Hochschule Göttingen einen Vortrag zum Thema Digitales Marketing. Im nachfolgenden Interview gibt der Manager Einblicke in strategische und operative Maßnahmen des Unternehmens.

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Pricing-Tool Fricke

B2B-Großhändler Fricke: Mit neuem Pricing-Tool „logische Fehler“ verhindern

Kai Ostendorf
Kai Ostendorf, Leiter Pricing bei Granit Parts / Wilhelm Fricke SE

Am 11. November 2019 hielt Kai Ostendorf (Foto) auf Einladung von Professor Hans- Christian Riekhof an der PFH Private Hochschule Göttingen einen Vortrag zum Thema Pricing. Dabei gewährte er einen Einblick in das Pricing des Landmaschinen-Großhändlers im B2B-Umfeld – vor und nach der Implementierung eines Pricing-Tools. Bei dieser Gelegenheit entstand aus den dort geführten Diskussionen heraus das nachstehende Interview.

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ABOUT YOU Digitales Marketing

Modehändler ABOUT YOU: Markenbotschaft wird digital 360 Grad kommuniziert

ABOUT YOU Julian Jansen
Julian Jansen, Director Content, ABOUT YOU

„Marketing in Zeiten des digitalen Aufbruchs“ lautet das Motto des 7. Göttinger Marketingtag am 8. November, zu dem die PFH Private Hochschule Göttingen einlädt. Im Fokus unserer Interview-Reihe mit den teilnehmenden Referenten, die Professor Dr. Hans-Christian Riekhof vorab geführt hat, steht heute ein großes Modeunternehmen. Im Gespräch verrät Julian Jansen, Director Content bei ABOUT YOU, u.a. wie das ehemalige Otto-Start-Up eine 360-Grad-Ausrichtung mit plattformspezifischem Social Media Content umsetzt.

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Kundendaten Airbus

Airbus zeigt: Kundendaten sind kostbar – auch im B2B-Geschäft

Airbus will künftig von Flugzeug-Wartungsfirmen Geld für den Zugang zu notwendigen Daten verlangen. Das Handelsblatt bezieht sich auf eine Meldung des Fachportals „MRO Network“, demzufolge diese Information zwar noch nicht offiziell bestätigt ist, wohl aber in der Branche bereits für Aufsehen sorgt.

„Dass (Kunden-)Daten einen Wert haben, sollte uns spätestens klar geworden sein, wenn wir die Börsenbewertung von Apple, Google, Facebook, Amazon, Airbnb oder Uber betrachten“, erläutert Hans-Christian Riekhof, Professor für Internationales Marketing an der PFH Private Hochschule Göttingen. Der Wert dieser Unternehmen beruhe in hohem Maße nicht auf physischen Assets. Manche dieser Firmen wiesen gar hohe Verluste aus und erreichten trotzdem hohe Unternehmensbewertungen.

Unternehmen profitieren von kostenlos überlassenen Kundendaten, die sie weiterverkaufen

Den Grund dafür sieht Professor Riekhof im Wert der Kundendaten, über die diese Unternehmen verfügen. Daten, die sie teilweise weiterverkaufen und die ihnen von den Kunden in der Regel kostenlos überlassen werden. „Einen zweiten Aspekt sollte man nicht vollkommen übersehen: schon in der Grundlagenvorlesung zur Volkswirtschaftslehre lernt man, dass man in Monopolsituationen ordentliche Gewinne erwirtschaften kann.“

Dass Daten wertvoll sind, hat sich Riekhof zufolge inzwischen auch im B2B-Geschäft herumgesprochen. „Ein sehr schönes Beispiel ist in dieser Hinsicht Airbus: man liefert sich eine Auseinandersetzung mit den Zulieferern bzw. mit der Wartungsbranche darüber, wer die Daten nutzen darf und wer dafür welchen Preis zahlen muss.“

In den Kundendaten sieht Airbus geistiges Eigentum, das einen Wert darstellt

Laut Bericht des MRO Network sollen die Wartungsfirmen künftig einen bestimmten Prozentsatz des Betrags, den sie selbst den Airlines für die Wartung der Jets in Rechnung stellen, an den europäischen Flugzeugbauer als Datengebühr abführen. Airbus habe bislang wesentliche Daten gratis überlassen, während andere sie für ihr Business nutzten. Airbus sieht in ihnen aber geistiges Eigentum, der einen Wert darstelle, dessen Zugriff künftig mit Nutzungsgebühren honoriert werden müsse.

Wie das Handelsblatt weiter ausführt, gehe es dabei um die künftige Datenhoheit in der Luftfahrt. So wollen neben Airbus auch Boing und Wartungsfirmen wie Lufthansa Technik eine führende Rolle bei der Auswertung der Daten spielen. Airbus etwa will bis Jahresende auf seiner Plattform Skywise 10000 Flugzeuge von 100 Gesellschaften erfassen.

Foto: pixabay.com