DAS KANN DOCH WEG – DAS BEFREIENDE GEFÜHL, MIT WENIGER ZU LEBEN.

6. Aufl. München 2018.

Der Titel des Buches könnte kaum schlechter gewählt sein. Denn der unbedarfte Leser bzw. Interessent wird vermuten, dass es sich hier um einen der üblichen Lebensratgeber handelt, wie man denn endlich seine persönliche Unordnung in den Griff bekommen kann. Doch damit würde man dem Verfasser in keiner Weise gerecht werden.

Zwar hat das Buch auch Ratgeber-Charakter, bisweilen sind hier auch ein paar Wiederholungen zu verzeichnen. Was aber viel spannender zu erfahren ist, sind die Prinzipien des Minimalismus, wie Sasaki sie anwendet und wie sie von einer wachsenden Zahl von Menschen überall auf der Welt verfolgt werden.

Man kann den Minimalismus als eine internationale Bewegung bezeichnen, die ihre eigenen Grundsätze, Philosophie, ihre Tagungen und Treffen, Veranstaltungen, Foren und Websites hat.

Fumio Sasaki beschreibt unter anderem seinen ganz persönlichen Lebens- und vielleicht auch Leidensweg: weg von einem durch Unordnung und Chaos im persönlichen Umfeld, durch permanenten Konsumzwang, durch Reizüberflutung und fehlende Konzentrationsfähigkeit geprägten Lebensstil hin zu einem den Prinzipien des Minimalismus folgenden Leben. Er wohnt inzwischen in Tokio auf 20 qm und würde gerne in eine noch kleinere Wohnung umziehen. Der letzte Umzug hat 90 Minuten gedauert, inklusive packen.

Können Sie sich vorstellen, alle Bücher und die CD-Sammlung zu verkaufen, den Inhalt des Kleiderschrankes radikal zu reduzieren und auch alle persönlichen Erinnerungsgegenstände zu „entsorgen“? Minimalisten haben das Ziel, alle Gegenstände aufzählen zu können, die sie besitzen.

Zu den prominenten Vertretern des Minimalismus gehörte natürlich Steve Jobs. Das iPhone, das MacBook und das iPad sind klare Beispiele für Minimalismus; der Erfolg der Marke Apple ist ohne die zugrundeliegende Design-Philosophie nicht vorstellbar.

Das Buch von Sasaki ist auch jenseits der persönlichen Ratgeber-Dimension sehr spannend zu lesen. Es beschreibt das Lebensgefühl einer Zielgruppe, die sich vom Konsum abwendet, die durchaus anspruchsvoll ist (nebenbei sehr viel von Apple-Produkten zu halten scheint) und die möglicherweise in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird – gerade in einem urbanen Umfeld.

Entsprechende architektonische Lösungen lassen sich auch bereits finden, vor allem aus der Feder bzw. vom Zeichenbrett japanischer Architekten. Es lohnt sich, diese Entwürfe online einmal anzusehen.

Wie konsequent man sich dem Minimalismus verschreibt, ist eine Frage der persönlichen Einsichten, Erfahrungen und Überzeugungen. Manche der Minimalisten kommen mit 100 Gegenständen aus, andere streben sogar 20 an.

Sasaki fotografiert immerhin alle seine persönlichen Erinnerungsstücke, bevor er sich von ihnen trennt. Und was gewinnt Sasaki nach eigenen Aussagen durch seinen neuen Lebensstil? Konzentration, Energie und Zufriedenheit. Aber auch das muss vermutlich jeder für sich selbst herausfinden.

Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof

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