THOMAS STRAUBHAAR: DIE STUNDE DER OPTIMISTEN

Hamburg 2019.

Wenn Thomas Straubhaar sich einem Thema zuwendet, dann sehr gründlich und auch grundsätzlich. Der Untertitel verrät den hohen Anspruch: „So funktioniert die Wirtschaft der Zukunft.“ Man darf also gespannt sein.

Digitalisierung, Daten und Demografie sind die Herausforderungen, die Straubhaar in den Mittelpunkt stellt und in denen er die Ursache der zu beobachtenden Disruption sieht. Er erörtert die Konsequenzen für die menschliche Arbeit, für den Datenkapitalismus und für die schwindenden Chancen, einen gesellschaftlichen Konsens zu finden und den notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gewährleisten. Seiner Einschätzung nach ist eine neue Wirtschafts- und auch Sozialpolitik erforderlich, die den disruptiven Entwicklungen gerecht wird und die nicht das Bruttoinlandsprodukt zum Maßstab aller Dinge macht.

Ausführlich widmet sich Straubhaar den Schwierigkeiten, die sich angesichts der Digitalisierung und Roboterisierung aus der vorwiegenden Besteuerung menschlicher Arbeit und der Belastung allein der Arbeit mit Sozialabgaben ergeben. Er sieht die Notwendigkeit, das Sozialwesen neu auszurichten und – wie er es nennt – einen resilienten Sozialstaat zu schaffen. Bei allen disruptiven Veränderungen sieht Straubhaar aber keine empirische Basis für gesellschaftlichen Pessimismus, er verweist auf die seit Menschengedenken immer wieder unter Beweis gestellte gesellschaftliche Innovationskraft.

Die meisten seiner konzeptionellen Überlegungen sind sehr gut nachvollziehbar, aber sie haben noch keinen Eingang in konkrete (partei-) politische Programme gefunden. Eine breitere gesellschaftliche Diskussion dieser grundsätzlichen Themen wäre sicherlich notwendig und wünschenswert.

Wünschenswert wäre es auch, wenn sich Straubhaar in seinem nächsten Buch weiteren zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen zuwendet, ohne die Resilienz als Leitkonzept nicht vorstellbar ist: der Qualität, Geschwindigkeit und Wirksamkeit unserer Gesetzgebung, der Verzahnung von ökologischer und ökonomischer Rationalität in unserem Handeln sowie dem tatsächlichen Wertschöpfungsbeitrag und den Nebenwirkungen der globalen Finanzmärkte.

Dr. Hans-Christian Riekhof

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