RICHARD THALER: MISBEHAVING. WAS UNS DIE VERHALTENSÖKONOMIK ÜBER UNSERE ENTSCHEIDUNGEN VERRÄT

München 2018.

Wenn sich Ökonomen psychologischen Fragestellungen widmen, dann ist grundsätzlich eine gehörige Portion Skepsis angebracht. Schließlich wird schon der Homo Oeconomicus als Versuch der Wirtschaftswissenschaften, ein (psychologisches) Menschenbild zu entwerfen, der Realität in keiner Weise gerecht. Allzu lange hat man in der Ökonomie daran strikt festgehalten.

Die Verhaltensökonomik ist der umfassende Versuch, diesen Fehler zu korrigieren. Man begibt sich auf das Feld hoch spannender psychologischer Fragen, um mit experimentellen Ansätzen die Annahmen der (neo-) klassischen Ökonomie zu widerlegen, bisweilen auch ad absurdum zu führen. Das ist natürlich ein höchst amüsantes Unterfangen, und neben Richard Thaler haben Autoren wie Kahnemann und Tversky dazu viele wichtige Beiträge geliefert.

Richard Thaler legt in diesem Buch quasi eine historische Übersicht seiner eigenen Forschungen zu diesem Themenbereich vor. Das ist eine sehr gut zu lesende Zusammenfassung mehrerer Jahrzehnte wissenschaftlicher Arbeit. Die persönlichen wie wissenschaftlichen Querverbindungen zu Autoren wie Kahnemann, Tversky und anderen werden deutlich. Die Darstellung hat damit auch autobiografische Züge, was dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Eine gewisse selbstironische Distanz ist es, die Thalers Schreibstil auszeichnet. Sehr lesenswert.

Dr. Hans-Christian Riekhof

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