Pricing-Newsletter No. 13 (2018): Wie digitale Kundenkarten das Pricing im Einzelhandel verändern können

Erfahren Sie welche Konsequenzen die Ergebnisse unserer kürzlich erschienenen Studie zum Einsatz traditioneller und digitaler Kundenkarten in Handel, Systemgastronomie und Tourismus für das Pricing in diesen Branchen haben.

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Öffentliches WiFi – wenn der Tischnachbar mitliest

Schnell noch einige Nachrichten checken, auf eine Mail antworten und nach dem nächstgelegenen Restaurant für die Mittagspause suchen –  öffentliche WiFi-Hotspots bieten eine praktische Möglichkeit an vielen Orten, überall auf der Welt kostenlosen Internetzugang zu erhalten. Aber so verlockend dieser freie Internetzugang für die Nutzer zunächst sein mag, so schnell kann er zu einer ernstzunehmenden Gefahr für alle Daten werden.

Stefan Brinkhoff weiß um die Probleme, die die beliebten WiFi-Hotspots mit sich bringen. Der erfahrene E-Commerce-Berater für mittelständische Unternehmen baute bereits zu Jugendzeiten Websites und entwickelte Online-Shops. Anna-Lina Köhler, mit der WiFI-Thematik befasste Studentin an der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH), traf den fachkundigen Mitgründer und CTO von locandis zum Gespräch.

Anna-Lina Köhler: Welche grundsätzlichen Vorteile bietet öffentliches WiFi?

Stefan Brinkhoff: Generell bietet öffentliches WiFi eine gute Möglichkeit Datenvolumen aufzusparen.  Insbesondere in Gebäuden, in denen der Datenempfang eingeschränkt ist und vielleicht sogar unter dem „Edge Bereich“ liegt, ist ein schneller Internetzugang gemäß den Ansprüchen des Nutzers vorteilhaft.

Anna-Lina Köhler: Wie verbreitet sind öffentliche WiFi-Hotspots heutzutage?

Stefan Brinkhoff: Auch wenn die Verbreitung öffentlicher WiFi-Hotspots in Deutschland im internationalen Vergleich noch verhältnismäßig gering ist, wird das Kommunikationsnetzwerk national immer weiter ausgebaut. Man kann sich also darauf einstellen, dass es zukünftig zu immer mehr freien WiFi-Hotspots kommen wird.

Anna-Lina Köhler: Woran liegt es eigentlich, dass auch im öffentlichen Raum immer mehr WiFi aufgebaut bzw. angeboten wird? Wer ist der Treiber?

Stefan Brinkhoff: Auch heutzutage existiert in vielen Fällen noch das Problem der angemessenen Datengeschwindigkeit, vor allem im Inneren von Gebäuden. Es kann zu einer Dämpfung kommen, sodass schnelle Bandbreiten, die für bestimmte Anwendungen auf dem digitalen Gerät benötigt und vom Nutzer letztlich auch gefordert werden, nicht standardgemäß existieren. Das Angebot und die stetige Verbreitung der Nutzung öffentlichen WiFi´s ist demnach grundsätzlich positiv auszulegen.

Beim WiFi liegen die Daten auf dem Präsentierteller

Anna-Lina Köhler: Welche Gefahren bzw. Sicherheitsbedenken sind beim Thema öffentliches WiFi zu beachten?

Stefan Brinkhoff: In öffentlichen Netzwerken sind die Daten grundsätzlich auf dem „Präsentierteller“. Jeder andere Nutzer, der im selben öffentlichen WLAN-Netzwerk surft, kann theoretisch die Datenpakete einsehen, die das digitale Endgerät sendet oder empfängt, da die Daten unverschlüsselt zwischen Gerät und Netzwerk übertragen werden. Dieses Problem besteht tendenziell an allen Knotenpunkten im Internet. Wenn man mit anderen Nutzern sein WiFi teilt, muss der Hacker nur am Nachbartisch sitzen, um dann die Schwachstellen der unverschlüsselten Daten auszunutzen.

Anna-Lina Köhler: Haben Sie ein Beispiel?

Stefan Brinkhoff: Ein denkbares und durchaus praxisbezogenes Beispiel wäre die Nutzung öffentlicher WiFi-Hotspots in Hotel-Lobbys durch beruflich reisende Geschäftsleute. Sei es nur, um noch einmal schnell geschäftliche E-Mails zu verschicken oder tatsächlich, um mit firmeninternen Daten zu arbeiten, im schlimmsten Fall werden diese kritischen Informationen mit allen anderen Hotelgästen geteilt. Alle Informationen, die das digitale Endgerät mit dem öffentlichen Netz austauscht können somit am Ende bedroht sein.

Anna-Lina Köhler: Wie kann so eine Attacke auf die eigenen Daten typischerweise funktionieren?

Stefan Brinkhoff: Verbreitet ist die sogenannte „Honeypot-Technik“. Das bedeutet, dass ein zweiter Hotspot mit dem identischen Namen neben dem richtigen öffentlichen Netzwerk ausgestrahlt wird. Es wird also der gleiche WiFi-Name ausgeworfen, sodass das Gerät nicht zwischen einem echten und einem falschen Netz differenzieren kann. Der Angreifer setzt sich also zwischen Netzwerk und Provider und erhält so die Kontrolle. Auch wenn viele Handys und Apps heutzutage auf interne SSL-Verschlüsselung setzten, kann der Hacker trotzdem herausfinden, mit wem beispielsweise kommuniziert und welche Seiten genutzt werden und damit ein richtiges Nutzerprofil erstellen.

VPN-Tools installieren und stets Updates durchführen

Anna-Lina Köhler: Wie kann sich der Nutzer am besten vor solchen Gefahren schützen? Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es?

Stefan Brinkhoff: Am besten schützt man sich, indem man im öffentlichen WiFi eine VPN-Verbindung aufbaut, die die Daten dann verschlüsselt und diese dann von außen nicht mehr angreifbar sind. Dazu reicht es meist schon aus, ein einfaches VPN-Tool zu installieren. Auch sollten alle Updates regelmäßig installiert werden, um das Betriebssystem immer auf dem neuesten Stand zu halten und Hackern eine minimale Angriffsfläche zu bieten.

Anna-Lina Köhler: Und was können Nutzer tun, wenn ihre Daten bereits gehackt worden sind?

Stefan Brinkhoff: In solch einem Fall ist es wichtig, dass alle aktiven Sessions in den Accounts beendet werden und auf keinen Fall in der identifizierten Hardware weitergearbeitet wird. Außerdem ist dazu zu raten, alle Passwörter zu ändern. Freie WiFi-Hotspots sind im Grunde eine positive und praktische Sache, um beispielsweise kurz nach der Wetterlage zu sehen. Wer wirklich sicher gehen möchte, dass Online-Banking-Daten oder firmeneigene Daten auch wirklich intern bleiben, sollte diese sicherheitshalber nicht in öffentlichen Hotspots bearbeiten – und mit dem Tischnachbarn teilen.

Stefan Brinkhoff, locandis Gründer, im Gespräch mit Anna-Lina Köhler

 

Foto: Caleb Minear/Unsplash

11.06.2018 │ Göttingen – Pricing am Beispiel „König der Löwen“

Um Yield Management und strategisches Pricing am Beispiel des Erfolgsmusicals „König der Löwen“ geht es bei einem Vortrag am Montag, den 11. Juni in Göttingen. Veranstaltungsort ist die PFH Private Hiochschule Göttingen. Referieren wird Christian Fischer, Head of Brand Management & Strategy von der Stage Entertainment Veranstaltungsgesellschaft aus Hamburg, der einer Einladung von Pricing-Experte Prof. Hans-Christian Riekhof, Professor für Internationales Marketing an der Hochschule, folgt. Der Impulsvortrag ist für die Dauer von ca. 45 Minuten geplant, anschließend wird zu einer Diskussion mit den Experten geladen.

Ort:
PFH Private Hochschule Göttingen
Weender Landstraße 3-7
37073 Göttingen

Zeit:
18.00 – 19.30 Uhr

Anmeldungen für Gäste bitte per Mail an:

Kisters@nullpfh.de

04.06.2018 │ Göttingen – Digitalization & Technology

Zu einem Vortrag mit dem Titel „Digitalization & Technology – from Vision to Execution“ lädt am Montag, 04. Juni, die PFH Private Hochschule Göttingen. Der Vortrag wird – abhängig vom Publikum – wahlweise in englischer oder deutscher Sprache gehalten.

Prof. Hans Christian Riekhof hat für den Vortrag zwei Referenten eingeladen: Heiko Reinhard von Sycor Americas Inc. (CEO & President / IT Director North America – Ottobock HealthCare) sowie Matthias Arnheiter, Head of Corporate Strategy bei der Berlin Hyp AG. Heiko Reinhard beschäftigt sich intensiv mit dem Digitalisierungsthema, dies gilt auch für Matthias Arnheiter, allerdings aus Sicht der Finanzindustrie.

Ort:
PFH Private Hochschule Göttingen
Weender Landstraße 3-7
37073 Göttingen

Zeit:
18.00 – 19.30 Uhr

Anmeldungen für Gäste bitte per Mail an:

Kisters@nullpfh.de

 

Foto: www.pixabay.com

14.05.2018 │ Göttingen – Manager und Suchtgefahren

Zu einem Vortrag mit dem Titel „Sex, Drugs and Alcohol: Was Manager über Suchtgefahren wissen sollten“ lädt am Montag, 14. Mai, die PFH Private Hochschule Göttingen. Referieren wird Prof. Dr. Dr. Joachim Röschke, der einer Einladung von Professor Hans-Christian Riekhof folgt.

Ort:
PFH Private Hochschule Göttingen
Weender Landstraße 3-7
37073 Göttingen

Zeit:
18.00 – 19.30 Uhr

Anmeldungen für Gäste bitte per Mail an:

Kisters@nullpfh.de

 

Foto: www.pixabay.com

Location based Marketing – ein neues Paradigma im digitalen Marketing?

Handelt es sich bei Location based Marketing tatsächlich um ein neues Paradigma im digitalen Marketing? Für Antworten auf diese spannende Frage ist Prof. Dr. Hans-Christian Riekhof der perfekte Ansprechpartner. Er ist alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer der UNICconsult Strategieentwicklung GmbH, außerdem Professor für Internationales Marketing an der PFH Private Hochschule Göttingen, Organisator des Göttinger Marketingtages und Herausgeber von Büchern zu Themen wie Strategieentwicklung, Personalentwicklung und Retail. Daneben ist er Gründer von locandis, ein Startup, das sich auf Location Based Marketing spezialisiert hat.

Im Interview mit Anna-Lina Köhler, die sich als Studentin der PFH Private Hochschule Göttingen mit Location Based Marketing auseinandersetz, gibt der Marketingspezialist interessante Einblicke.

Anna-Lina Köhler: Was halten Sie von der Aussage, dass Online der Marketingkanal der Zukunft sei?

Professor Riekhof: Das stimmt in dieser Form nur zum Teil. Natürlich werden die klassischen Medien weiter an Bedeutung verlieren – auch wenn sie in den kommenden Jahren aus der Medienlandschaft nicht wegzudenken sind. Wichtig ist aber, dass der Online-Channel durch den Mobile-Channel ergänzt und auch substituiert wird. Menschen sind überall erreichbar, das Smartphone ist der ständige Begleiter und damit auch ein entscheidender Kommunikationskanal – wenn man denn die Spielregeln beherrscht.

Anna-Lina Köhler: In der heutigen Zeit fällt immer öfter das Stichwort „Relevanz“. Was bedeutet das im Zusammenhang mit Location based Marketing?

Professor Riekhof: In unseren empirischen Projekten zum Location Based Marketing haben wir nachweisen können, dass Push-Nachrichten auf dem Smartphone der Kunden dann auf hohes Interesse und ungeteilte Aufmerksamkeit stoßen, wenn sie im Zusammenhang mit der Location stehen, an der sich Menschen gerade befinden. So haben wir beispielsweise auf der documenta 2017 in Kassel Informationen zu bestimmten Kunstwerken direkt am Objekt zugestellt – mit sehr hohen Öffnungsraten der Nachricht. Die richtige Botschaft im richtigen Kontext und am richtigen Ort: das ist die Formel, mit der man nachweislich Relevanz erzeugen kann.

Marketing wird künftig noch stärker datengetrieben sein

Anna-Lina Köhler: Welche Rolle spielt Location Based Marketing im Marketing der Zukunft?

Professor Riekhof: Ich gehe davon aus, dass wir hier von einem neuen Paradigma für das Marketing sprechen können. Das Marketing wird in Zukunft noch mehr als heute datengetrieben sein. Was wir bisher schon haben, sind kundenbezogene Daten, z.B. aus dem CRM-System. Hier setzt das klassische zielgruppenbezogene Targeting an. Daneben haben wir von Amazon gelernt (was Unternehmen wie der Otto Konzern natürlich immer schon wussten), dass das Kaufverhalten der Vergangenheit ein enorm zuverlässiger Prädiktor für zukünftiges Kaufverhalten ist. Deshalb ist Amazon auch Google langfristig überlegen: Amazon kennt die Käufe, Google kennt nur die Suchen. Was aber jetzt hinzukommt, ist eine dritte Datenquelle: location-bezogene Informationen erlauben es, ein Targeting aufzusetzen, das dem Marketing die räumliche Dimension erschließt.

Anna-Lina Köhler: Was schließen Sie daraus?

Professor Riekhof: Meine persönliche Einschätzung ist, dass wir hier Informationen mit sehr großer Prognosekraft haben. Wo ich mich in der Shopping Mall aufhalte, welche Bereiche und Geschäfte mich in der Innenstadt besonders interessieren, ist für das Targeting natürlich hochspannend.

Anna-Lina Köhler: Wie sinnvoll ist Instore Navigation tatsächlich? Kann das Personal dem Kunden nicht einfach als Ansprechpartner dienen?

Professor Riekhof: Instore Navigation ergibt keinen Sinn, wenn Sie einen Eisladen oder eine Lotto-Annahmestelle betreiben. Aber denken Sie einmal an die Situation in einem Baumarkt: finden Sie mal einen Ansprechpartner, der Ihnen sagt, wo die Dübel und die Dichtungen für die Badarmaturen liegen. Eine Instore Navigation hilft enorm, die Produkte zu finden. Wir haben in unseren LBM-Projekten festgestellt, dass die Instore Navigation die Akzeptanz und Nutzung digitaler Kundenkarten ganz wesentlich erhöht. Und letztlich bedeutet es eine Entlastung des Personals im Einzelhandel, wenn Kunden auf dem digitalen Kanal bei der Produktsuche unterstützt werden.

LBM mit WLAN allein zu unpräzise bei der Lokalisierung

Anna-Lina Köhler: Würde es nicht theoretisch ausreichen, durch WLAN in Stores dem Kunden einfach eine SMS zu schicken?

Professor Riekhof: Manche Einzelhandelskonzerne machen sich das etwas zu einfach. Sie installieren in den Stores ein für Kunden zugängliches WLAN, und dann haben sie theoretisch die Möglichkeit, diesen Kunden im Store Push Nachrichten zuzusenden. Das ist aus meiner Sicht noch nicht einmal Location based Marketing 1.0. Denn die Lokalisierungs-Präzision, mit der die Kampagnen am richtigen Regal zugestellt werden, ist einfach unzureichend. Wenn ich am Rotweinregal stehe, möchte ich keinen 15% Coupon für Hundefutter.
Und ein zweiter Aspekt ist mir persönlich sehr wichtig: auf dem WLAN basierendes Location based Marketing kann Kampagnen nicht an definierte Zielgruppen aussteuern. Das geht nur, wenn ich als Verbraucher die digitale Kundenkarte heruntergeladen habe, mich angemeldet habe und die Erlaubnis erteilt habe, dass ich Coupons erhalten möchte. Retailer sollten schon darauf achten, dass sie typisch weibliche Produkte nicht bei Männern bewerben und umgekehrt.

Anna-Lina Köhler: Lässt sich die Werbewirkung durch Location Based Marketing messen, wenn ja wie?

Professor Riekhof: Das ist eine sehr gute Frage, denn sie lenkt auf den Kern der Thematik. Location Based Marketing ist extrem gut messbar: ich kann feststellen, ob Push Nachrichten überhaupt zugestellt wurden, ob sie  geöffnet wurden, ob Coupons eingelöst wurden, ob Cross Selling Kampagnen erfolgreich waren und ob die Kunden länger im Geschäft geblieben sind. Das geht weiter bis hin zu den betriebswirtschaftlichen Effekten: jede einzelne Kampagne ist vollkommen transparent im Hinblick auf ihre Kosten, auf die Ergebniswirkungen des möglichen Preisnachlasses und auf den Umsatzeffekt. Eine vergleichbare Transparenz hat in dieser Form sonst nur der Online-Handel. Die Wirkung der großen Marketingbudgets in den klassischen Medien ist in dieser Präzision überhaupt nicht messbar.

Professor Riekhof, locandis Gründer, im Gespräch mit Anna-Lina Köhler