Robert Waldinger und Marc Schulz berichten in ihrem Buch „The good Life“ über die extrem spannende und sich über mehr als 80 Jahre erstreckende Längsschnitt-Studie der Harvard Medical School. Und dabei erklären sie uns auch, dass wir bei der Prognose unserer eigenen Emotionen oftmals ziemlich daneben liegen. Das Stichwort lautet: Affective Forecasting.

„Viele Forschungen weisen inzwischen darauf hin, dass der Mensch im affective forecasting sehr schlecht ist. Und zwar nicht nur hinsichtlich kurzzeitiger Situationen wie der Zugfahrt, sondern auch auf längere Sicht. Ganz besonders schlecht scheinen wir darin zu sein, die positiven Auswirkungen von Beziehungen vorherzusagen. Das ist zum Großteil der offensichtlichen Tatsache geschuldet, dass Beziehungen nun einmal chaotisch und unverhersagbar sein können. Dieses Chaos ist einer der Gründe dafür, warum viele Menschen es vorziehen, allein zu bleiben. Sie sehnen sich nicht notwendigerweise nach Einsamkeit – sie meiden nur das potenzielle Chaos, das Beziehungen im Allgemeinen mit sich bringt. Allerdings überbewerten wir dieses Chaos, während wir die positiven Auswirkungen der menschlichen Verbundenheit unterschätzen. Dieses Merkmal zeigt sich häufig, wenn wir Entscheidungen treffen: Wir schenken den potenziellen Risiken ungeheuer viel Aufmerksamkeit, während wir die potenziellen Vorteile aus den Augen verlieren.“

– Robert Waldinger und Marc Schulz in ihrem Buch „The good life – und wie es gelingen kann – Erkennntnisse aus der weltweit längsten Studie über ein erfülltes Leben“, Seite 57, Kösel Verlag, München 2023

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