Bei den Diskussionen über Steuererhöhungen bleibt ein Aspekt oftmals unberücksichtigt: Welche Steuern haben welche Nebenwirkungen? Der Chefökonom des Handelsblatts Bert Rürup macht in seinem Beitrag deutlich, warum die Mehrwertsteuer – sie führt zu über 300 Mrd. Euro Steuereinnahmen – in der Diskussion um Steuererhöhungen mehr Aufmerksamkeit erfahren muss.
„Steueränderungen führen stets zu Anpassungsreaktionen. Höhere Steuern auf Löhne machen Freizeit attraktiver, höhere Steuern auf Unternehmensgewinne schmälern mit der Rentabilität die Investitionsneigung und fördern Kapitalabflüsse. Deshalb gilt unter Ökonomen eine höhere Umsatzsteuer als geringstes Übel, wenn der Staat zusätzliche Einnahmen generieren und dabei möglichst geringe gesamtwirtschaftliche Schäden verursachen soll. Konsumsteuern kann man auf legalem Wege auf Dauer nicht ausweichen, sofern Sparen nicht als Selbstzweck oder der Vererbung dient. Überdies belastet die Umsatzsteuer Exporte und damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht. Zudem ist der Regelsatz dieser Steuer in den meisten EU-Ländern höher als in Deutschland mit 19 Prozent; im EU-Schnitt beträgt er 21 oder 22 Prozent, in Schweden, Dänemark und Kroatien sind es 25 Prozent.“
– Bert Rürup, Chefökonom des Handelsblattes, in „Umsatzsteuer – begehrt bei jeder neuen Regierung“, Handelsblatt, 4., 5., 6. Oktober 2024, Seite 21, Nr. 192