Die Zentralisierung des Pricing geht weiter: VW weitet das Agenturmodell auf Verbrenner aus. Wenn dadurch bis zu 10% mehr Marge entstehen, ist das einerseits hoch attraktiv, andererseits sind da Konflikte vorprogrammiert. Es lohnt sich, diese Entwicklung genau im Auge zu behalten.
„Deutschlands größter Autobauer Volkswagen will in den nächsten Jahren den Vertrieb in Europa umbauen. Geplant ist, das sogenannte Agenturmodell künftig nicht nur im Vertrieb von Elektoautos, sondern auch bei Verbrennerfahrzeugen zu nutzen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen. (…) Inspiriert ist der Vertriebsweg durch Anbieter wie Tesla, die nur E-Fahrzeuge anbieten und die ihre Autos weitgehend ohne Zwischenhändler an die Kunden bringen. Das spart viel Geld und soll mehr Kundenbindung schaffen. Eine Studie der PwC-Tochter Strategy& ging bereits 2021 von 7,5 Prozent geringeren Vertriebskosten aus. Bei VW ist hinter vorgehaltener Hand gar von zehn Prozent im Vertrieb in Europa die Rede. (…) Mit der Ausweitung der Agentur auf die Verbrennerwelt würde Volkswagen einen Schritt weiter als die Konkurrenz und sich ein Stück weit gegen die aktuelle Stimmung in der Branche stemmen. Denn inzwischen sehen erste Autobauer das Vertriebsmodell durchaus kritisch. So stoppte etwa die britische Marke Land Rover die Einführung der Agentur auf ihrem Heimatmarkt, auch bei Ford will man sich der Umstellung des Vertriebs in Europa Zeit lassen.“
– Lazar Backovic, Redakteur, in „VW verärgert seine Händler“ – der Hersteller will seinen Vertrieb umstellen und nicht nur Elekroautos, sondern auch Verbrenner auf eigene Rechnung verkaufen. Vertrauliche Gespräche dazu laufen – und sorgen für Ärger“, Handelsblatt vom 24, 25., 26. Mai 2024, Seiten 22 und 23, Nr. 99